Seelenabdruck oder was sonst? Zur Kritik des Hirnbildgebrauchs

Society & HLRS
Seelenabdruck oder was sonst? Zur Kritik des Hirnbildgebrauchs

Reihe: Bilder in der Medizin

Dr. Alexandre Métraux und Stefan Frisch

Die heutige Hirnforschung erhebt den Anspruch, mit ihren experimentellen Ergebnissen und Interpretationen nicht nur die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen und hirnassoziierte Erkrankungen besser behandeln zu können. Sie will auch gesellschaftlich verankerte Wertesysteme und Menschenbilder in Frage stellen. Dabei spielen die bildgebenden Verfahren wie insbesondere die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) auch im öffentlichen Diskurs eine wesentliche Rolle. Die suggestive Kraft von fMRT-Bildern mit bunten Aktivierungsfarben im Gehirn ergibt sich auch aus der verbreiteten Annahme, mit derlei Technik könnten wir direkt dem Gehirn bei der Arbeit zuschauen oder sogar dem im Hirn wohnenden „Geist“. Der Vortrag berichtet von einer neurowissenchaftlicher Untersuchung, der wir uns als Probanden unterzogen haben, um anhand konkreten Labormaterials die Erkenntnismöglichkeiten und -grenzen der entsprechenden Verfahren auszuloten. Es geht also um eine Kritik der Hirnbilder, wobei der Terminus „Kritik“ im seinem eigentlichen Sinne verstanden wird.