Bilder als Wissenswerkzeuge?! Philosophische Fragen an die Erstellung und den Gebrauch von Bildern in der Wissenschaft

Society & HLRS
Bilder als Wissenswerkzeuge?! Philosophische Fragen an die Erstellung und den Gebrauch von Bildern in der Wissenschaft

Frau M. A. Marianne Richter / Universität Stuttgart

Bilder zählen zu den ältesten Mitteln der Welterschließung. Im 20. Jahrhundert hat sich das Spektrum der Gebrauchsformen und Einsatzbereiche von Bildern allerdings merklich ausdifferenziert. Bilder sind als Hilfsmittel nicht mehr wegzudenken, wenn es darum geht...

... Dinge oder Sachverhalte zu dokumentieren und beschreibbar oder vergleichbar zu machen
... Informationen zu strukturieren
... Orientierung, Bewegung und Interaktion in der realen oder in einer virtuellen Welt zu ermöglichen
... Weltausschnitte zu modellieren, um sie besser verstehen oder erklären zu können
... Erinnerungen aufzufrischen
... Gefühle auszulösen
... usw.

Als Mittel der Welterschließung stehen Bilder von Anfang an, d.h. seit über 2000 Jahren, auch im Interesse der Philosophie. Das philosophische Interesse nimmt insbesondere Anstoß an drei großen Herausforderungen, die sich im Umgang mit Bildern stellen. Zu diesen Herausforderungen gehören...

... die Bestimmung der notwendigen und hinreichenden Merkmale, die es erlauben, etwas eindeutig als Bild zu klassifizieren.
... die Bestimmung des Verhältnisses zwischen Bild und Wirklichkeit, das bereits in der antiken Philosophie als uneindeutig und trügerisch galt.
... die Unterscheidung zwischen guten und schlechten, realistischen und unrealistischen, adäquaten und inadäquaten Bildern.

m Vortrag sollen die drei Herausforderungen anhand von Beispielen als Probleme nachvollziehbar gemacht werden. Insbesondere soll es dann um die Frage gehen, inwiefern sich wissenschaftlich motivierte Bildpraxen durch die Möglichkeiten computergenerierter Visualisierungen verändert haben. Sind es immer noch die gleichen philosophischen Herausforderungen, die sich stellen? Wie gehen wir am besten mit den Bilderfluten um, bei denen unklar ist, ob und inwieweit sie eine Referenz in der Wirklichkeit haben? Oder ist die Angst vor einer unbemerkten Beeinflussung und Konditionierung unserer Fähigkeiten zur bildlichen Welterschließung übersteigert?