Die Verführerische Kraft von Zahlenspielen. Warum Simulationen nicht mit Experimenten verwechselt werden sollten.

Society & HLRS
Die Verführerische Kraft von Zahlenspielen. Warum Simulationen nicht mit Experimenten verwechselt werden sollten.

Dr. Eckhart Arnold

Computersimulationen sind ein extrem leistungsfähiges Mittel der theoretischen Forschung. Aufgrund ihrer Durchführungsweise, die Experimenten äußerlich oft ähnlich ist (kontrollierte Bedingungen, Möglichkeit gezielter Interventionen, "Beobachtung" von Resultaten), werden sie zuweilen als quasi-experimentelle Methode oder als ein "dritter Weg" zwischen Theorie und Experimenten verstanden. Tatsächlich gelten für Computersimulationen aber genau dieselben Erkenntnisschranken wie für Theorien und Gedankenexperimente. Insbesondere können sie keine Erkenntnisse liefern, die über den deduktiven Abschluss unseres Vorwissens hinaus führen.

In den Sozialwissenschaften hat dieses Missverständnis teils verheerende Folgen gehabt. So hat z.B. die Simulationsforschung zur "Evolution der Kooperation" nach 30 Jahren kein einziges erfolgreiches empirisches Anwendungsbeispiel irgendeines ihrer Simulationsmodelle vorzuweisen. Naive Technikgläubigkeit verstellt hier den Blick auf die Wirklichkeit.