Ontologie und Weltbezug

Society & HLRS
Ontologie und Weltbezug

Prof. Dr. Wolfgang Hesse

Ontologie versteht sich als die Lehre vom "Seienden" – damit scheint ihr Weltbezug klar: Alles was ist, ist – zumindest bei wörtlicher Auslegung – Gegenstand der Ontologie. Damit wird diese zur Universallehre par excellence und – sofern man will – zur Urquelle aller Philo­sophie. Trotzdem hat sie keineswegs immer im Mittelpunkt der Philosophie gestanden und außerhalb der Philosophie wurde sie noch bis vor kurzem eher einer esoterisch-weltfremden Sphäre zugerechnet.

Es brauchte erst die neu aufkommende Techno-Wissenschaft Informatik, um den Begriff Onto­­logie wiederzube­leben- allerdings auf Kosten ihrer ursprünglichen Ausrichtung und mit einer radikalen Neudefinition und veränderten Zielrichtung. War die klassisch-philosophische Ontologie eine vorwiegend deskriptive, auf die existierende Welt, ihre Ursprünge und Hin­tergründe gerichtete und damit vorwiegend metaphysische Denkschule, so ist die neue, "infor­ma­tische" Ontologie fast ausschließlich der materiellen Existenz verhaftet und zielt vielfach auf präskrip­tive Festlegungen und Be­schreibungen, die sich an künftigen möglichen, zu kon­struierenden (Teil-) Welten orientieren. Die neue Ontologie ist also eine "physische" und beschreibt eher das So-sein-Sollende als das Seiende.

In diesem Beitrag werden die Denkansätze und Zielrichtungen der beiden um Ontologie krei­senden Disziplinen – der Philosophie und der Informatik – beleuchtet und einige ihrer Ge­mein­samkeiten und Gegensätze herausgearbeitet.

Am Schluss soll es auch um RFID-chips und solcherart "verdrahtete Ontologien" gehen.