The theatre in the cave – Inszenierung, Computersimulation, Foresight

Society & HLRS
The theatre in the cave – Inszenierung, Computersimulation, Foresight

Dr. Bruno Gransche und Dr. Philine Warnke / Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI

Inszenierung ist die Form dessen, was sich der Form entzieht; sie umfasst jene Praktiken mit denen etwas zur Anschauung gebracht wird, was andernfalls nicht gegenständlich werden könnte. Computersimulationen sind insofern Inszenierungen und Teile ihrer Verheißung beruhen auf dieser Kraft, zur Darstellung zu bringen, was sich sonst der ‚sinnenden Blicke‘ entzieht. Computersimulation als spezielle Form des In-Szene-Setzens zu betrachten, ermöglicht Perspektiven und Problematisierungen, die analog im Kontext der Inszenierung vertraut sind.

So liegt beispielsweise der Unterschied zwischen einer rhetorischen Simulation wie der Ironie, die stets mehr als ihr direkter Gegenpart sagt, und einer Lüge oder Täuschung darin, ob der Simulant Ironie-Signale vermittelt. In der Sprache wären das z.?B. Ton und Mimik, im Theater wäre das z.?B. der Inszenierungsort selbst: Was wären solche Signale bei Computersimulationen, wie ließe sich Uneindeutigkeiten, Meinungen, Tendenzen, Interpretation, Neigungen mit inszenieren? Wie verhalten sich Dissimulation (So-tun-als-ob-nicht) und Simulation (So-tun-als-ob) hier zueinander? Die Inszenierungsarbeit, die Regie, ist heute eine Kunstform und der Regisseur (französisch bezeichnend réalisateur) ein Künstler. Der Titel Science and Art of Simulation zeugt von diesem Verständnis auch bezüglich Computersimulationen. Wäre es Aufgabe der Computersimulanten, der Rechner-Réalisateure, ihre Kunst in einen ebenso klaren So-tun-als-ob-Kontext zu stellen? Schließlich dürfte es selten sein, dass ein Theaterzuschauer über den Inszenierungscharakter getäuscht eine sterbende Figur tatsächlich beweint; dass Computersimulationen jedoch nur als wissenschaftliche Prognose oder ‚korrekte Darstellung‘ und nicht als künstlerisch/kunstvoll gestalteten Möglichkeitsraum verkannt werden, ist ein Problem.

Die Zukunftsforschung, als wissenschaftsbasierte Praxis der Auseinandersetzung mit möglichen Zukünften, hat es ebenfalls mit Phänomenen – nämlich Zukünften – zu tun, die einer speziellen Strukturierung und Stellung bedürfen, um behandelt werden zu können. Wäre Computersimulation also eine passende Vergegenwärtigungspraxis von Zukünften und als solche in Foresight-Prozessen produktiv einsetzbar? Und könnten andererseits Foresight-Methoden dabei helfen, die Rezeptionswirklichkeiten von Computersimulationen seitens der Gesellschaft zu erforschen und möglicherweise zu einer ästhetischen Unmissverständlichkeit führen (mit Signalen oder Orten oder anderem), wie sie Kinobesuchen eigen ist?