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05. 06. 14
Prof. Dr. Wolfgang Hesse: "Ontologie und Weltbezug"

Ontologie versteht sich als die Lehre vom "Seienden" – damit scheint ihr Weltbezug klar: Alles /was/ /ist/, ist – zumindest bei wörtlicher Auslegung – Gegenstand der Ontologie. Damit wird diese zur Universallehre /par excellence/ und – sofern man will – zur Urquelle aller Philo­sophie. Trotzdem hat sie keineswegs immer im Mittelpunkt der Philosophie gestanden und außerhalb der Philosophie wurde sie noch bis vor kurzem eher einer esoterisch-weltfremden Sphäre zugerechnet.

Es brauchte erst die neu aufkommende Techno-Wissenschaft Informatik, um den Begriff /Onto­­logie/ wiederzube­leben- allerdings auf Kosten ihrer ursprünglichen Ausrichtung und mit einer radikalen Neudefinition und veränderten Zielrichtung. War die klassisch-philosophische Ontologie eine vorwiegend /deskriptive/, auf die existierende Welt, ihre Ursprünge und Hin­tergründe gerichtete und damit vorwiegend /metaphysische/ Denkschule, so ist die neue, "infor­ma­tische" Ontologie fast ausschließlich der materiellen Existenz verhaftet und zielt vielfach auf /präskrip­tive/ Festlegungen und Be­schreibungen, die sich an künftigen möglichen, zu kon­struierenden (Teil-) Welten orientieren. Die neue Ontologie ist also eine "/physische/" und beschreibt eher das /So-sein-Sollende/ als das /Seiende./

In diesem Beitrag werden die Denkansätze und Zielrichtungen der beiden um Ontologie krei­senden Disziplinen – der Philosophie und der Informatik – beleuchtet und einige ihrer Ge­mein­samkeiten und Gegensätze herausgearbeitet.

Am Schluss soll es auch um RFID-chips und solcherart "verdrahtete Ontologien" gehen.

Ort: HLRS, Nobelstr. 19, 70569 Stuttgart (Campus
Vaihingen) vorauss. in Raum 1.067 ("Medienlabor").