Der interdisziplinäre Austausch zwischen den Bereichen Informatik, Kunst- und Bildwissenschaften hat seit dem Aufkommen der Medienkunst eine lange Tradition und hat bereits zu zahlreichen fruchtbaren Ergebnissen geführt. Angesichts der signifikanten Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz in den vergangenen Jahren und der daraus resultierenden Flut generierter Bilder auf sozialen Netzwerken manifestiert sich erneut die Relevanz, die bestehenden Dialoge in einem neuen Format fortzuführen.
Der Einsatz von KI zur Generierung von Bildern zur politischen Agitation oder zur Schädigung des persönlichen Ansehens prominenter Persönlichkeiten, darunter auch Politikerinnen und Politiker, ist vermehrt zu beobachten. Dies deutet auf das Entstehen eines neuen Ikonoklasmus in der Moderne hin. Im Weiteren wurde davor gewarnt, dass kurze Videos, die in sozialen Medien verbreitet werden, das Risiko bergen, die Wahrnehmungskraft der Zuschauer unmittelbar anzugreifen. Infolgedessen hat die australische Regierung am 10. Dezember 2025 ein Verbot der Nutzung sozialer Medien für Personen unter 16 Jahren erlassen. Der von der AI SORA2 erzeugte hochentwickelte Fälschungsversuch beeinträchtigt nicht nur den Wert des Videomaterials als Beweis der Existenz von etwas, sondern stellt auch eine Herausforderung für die kognitiven Fähigkeiten der Menschen dar. Diese Problematik fordert uns also dazu heraus, die wissenschaftliche Positionierung der Bildkritik zu überdenken. Andererseits kann die Entwicklung der KI als positiver Beitrag zur Weiterentwicklung der künstlerischen und gestalterischen Ausdrucksmöglichkeiten betrachtet werden. Sie fordert die Entstehung neuer Bildwelten und birgt gleichzeitig das Potenzial, die menschliche Erkenntniskraft zu erweitern.